Gesamte Fallstudie: GlassRenew
Marketing Strategy Case Study

Go-to-Market in 90 Tagen: Marketing-Strategie für ein neues Unternehmen

Wie wir die übergreifende Marketing-Strategie für GlassRenew konzipierten – vom Positionierungs-Framework über die Zielgruppen-Segmentierung bis zum Go-to-Market Plan für den DACH-Markt.

90 Tage
Strategie → Launch
5
Phasen
sequenziell integriert
2
Zielgruppen
D2C + B2B

Vorher: Geschäftsidee mit funktionierender Technologie, aber ohne Marktverständnis, Positionierung oder digitale Strategie.

Nachher: Klares Positionierungs-Framework, definierte Zielgruppen-Personas, 5-Phasen Go-to-Market Plan, ausgerollt in 90 Tagen.

Challenge

Die erste Frage, die sich vor jedem Branding, jeder Website und jeder Kampagne stellt: Wer sind wir und für wen?

GlassRenew hatte ein hervorragendes Produkt – eine hochtechnologische Methode zur Glasreparatur, die 80% der Kosten eines Neukaufs einspart. Aber das Produkt allein definiert kein Unternehmen. Die strategischen Herausforderungen waren:

  1. Fehlende Marktkenntnis: Der Glasreparatur-Markt im DACH-Raum ist fragmentiert, intransparent und von traditionellen Handwerkern dominiert. Es gab keine klare Benchmark für die Preisgestaltung, Zielgruppen oder Kanal-Allokation.
  2. Dual-Market Problem: GlassRenew adressiert sowohl Privatkunden als auch Geschäftskunden – zwei Segmente mit radikal unterschiedlichen Bedürfnissen, Budgets und Entscheidungsprozessen. Eine „One-size-fits-all”-Strategie würde in beiden Märkten versagen.
  3. Budget-Realität: Als Startup hatte GlassRenew ein begrenztes Marketing-Budget. Jeder Euro musste in die richtige Phase fließen, in der richtigen Reihenfolge.

Approach

Wir entwickelten ein 3-Stufen-Strategiemodell:

Stufe 1: Markt- & Wettbewerbsanalyse (Woche 1–2)

Wir analysierten den Glasreparatur-Markt im DACH-Raum systematisch:

  • Mitbewerber-Audit: Bewertung von 20+ Glasreparatur-Anbietern nach digitaler Präsenz, Pricing, Zielgruppen und Positionierung.
  • Keyword-Demand-Analyse: Quantifizierung der tatsächlichen Suchnachfrage für Glasreparatur-relevante Begriffe (Volumen, CPC, Saisonalität).
  • Wertschöpfungsketten-Analyse: Identifikation, wo im Kaufprozess die größten Hebelwirkungen liegen.

Das Ergebnis: Der Markt ist in der Strategielücke gefangen. Alle Mitbewerber positionieren sich über den Preis („günstige Glasreparatur”), keiner über Technologie oder Qualität. Kein einziger Mitbewerber hat ein professionelles digitales Branding.

Stufe 2: Positionierung & Personas (Woche 3–4)

Basierend auf der Marktanalyse definierten wir GlassRenews Positionierung:

AttributTraditionelle GlaserGlassRenew
Positionierung„Günstig und schnell”„Premium-Technologie-Dienstleister”
DifferenzierungPreisVerfahren, Qualität, Ergebnis
Primäre ZielgruppePrivat (Masse)B2B (Facility Manager, Hotels)
Sekundäre ZielgruppeD2C (Eigenheimbesitzer)
PreismodellNiedrigpreisPremium (80% unter Neukauf)

Wir entwickelten zwei detaillierte Buyer Personas: „Facility Frank” (B2B: 45, Facility Manager, entscheidet über Wartungsbudgets, will Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit) und „Eigenheim Emma” (D2C: 38, Eigenheimbesitzerin, will eine schnelle, professionelle Lösung für ein kosmetisches Problem).

Stufe 3: Go-to-Market Roadmap (Woche 5–6)

Der Go-to-Market Plan wurde als sequenzieller 5-Phasen-Plan strukturiert, bei dem jede Phase auf der vorherigen aufbaut:

PhaseDisziplinBudget-AnteilDauer
01Marketing-Strategie & Positionierung10%Woche 1–6
02Branding & Corporate Identity15%Woche 4–10
03Website & Conversion-Infrastruktur25%Woche 8–16
04SEO & Organic Growth15%Ab Woche 12 (laufend)
05Google Ads & Performance Marketing35%Ab Woche 14 (laufend)

System

Die Strategie definierte drei zentrale Erfolgsprinzipien, die über alle Phasen gelten:

  1. Sequenzielle Abhängigkeit: Keine Phase darf übersprungen werden. Branding ohne Positionierung ist Design ohne Richtung. Ads ohne Website sind Budget-Verschwendung.
  2. Daten vor Skalierung: Erst wenn die Conversion-Infrastruktur steht und saubere Daten liefert, darf das Werbebudget skaliert werden. Sonst optimiert der Algorithmus auf Junk-Signale.
  3. D2C/B2B-Trennung ab Tag 1: Die Zielgruppen-Segmentierung zieht sich durch alle Phasen – unterschiedliches Messaging, unterschiedliche Landingpages, unterschiedliche Vertriebspfade.

Results

  • Go-to-Market in 90 Tagen: Vom ersten Strategie-Workshop bis zum Launch der Google Ads Kampagnen vergingen exakt 90 Tage. Dieser Zeitrahmen war nur möglich, weil die sequenzielle Planung Nacharbeit und Korrekturen minimierte.
  • 5 Phasen, ein System: Alle Disziplinen – Strategie, Branding, Website, SEO, Ads – wurden als ein integriertes System konzipiert, nicht als isolierte Projekte. Das Ergebnis: Jede Komponente verstärkt die andere.
  • Budget-Effizienz: Durch die klare Reihenfolge und die Definition von Phase-Exit-Kriterien wurde kein Budget für Maßnahmen ausgegeben, deren Voraussetzungen noch nicht erfüllt waren.

Lessons Learned

  1. Strategie ist die profitabelste Investition: Die 6 Wochen Strategiearbeit (10% des Budgets) verhinderten Fehlentscheidungen in den folgenden Phasen, die ein Vielfaches gekostet hätten. Jedes Unternehmen, das Branding oder Ads ohne vorherige Strategiearbeit startet, zahlt doppelt.
  2. Sequenz schlägt Parallelismus: Der Instinkt ist, alles gleichzeitig zu starten. Aber parallele Umsetzung erzeugt Inkonsistenzen. Der sequenzielle Ansatz ist langsamer zu Beginn, aber schneller im Ergebnis, weil er Nacharbeit eliminiert.
  3. Positionierung ist nicht Branding: Die wichtigste Erkenntnis: Positionierung ist eine strategische Entscheidung (Wer sind wir? Für wen?), Branding ist die visuelle Übersetzung dieser Entscheidung. Viele Startups verwechseln beides und beginnen mit Logo-Design, bevor sie ihre Positionierung definiert haben.

Häufig gestellte Fragen

Wie erstellt man eine Marketing-Strategie für ein neues Unternehmen?

Eine effektive Marketing-Strategie für ein neues Unternehmen beginnt mit der Markt- und Wettbewerbsanalyse (Wo gibt es Lücken?), gefolgt von der Positionierung (Wie differenzieren wir uns?), der Zielgruppen-Segmentierung (Wer kauft?), dem Messaging Framework (Was kommunizieren wir?) und dem Phasenplan (In welcher Reihenfolge implementieren wir?). Der häufigste Fehler: Kanäle vor Strategie wählen.

Warum ist ein sequenzieller Ansatz (Strategie → Branding → Website → SEO → Ads) wichtig?

Jede Phase baut auf der vorherigen auf. Ohne Positionierung hat das Branding keine Richtung. Ohne Branding hat die Website keine Identität. Ohne Website haben SEO und Ads keine konversionsfähige Landingpage. Wer Phasen überspringt oder parallelisiert, erzeugt Inkonsistenzen, die den gesamten Funnel untergraben.

Wie segmentiert man D2C- und B2B-Zielgruppen?

D2C- und B2B-Zielgruppen unterscheiden sich in Suchintention, Entscheidungsprozess, Budget und Lifetime Value. Die Segmentierung muss auf jeder Ebene durchgezogen werden: unterschiedliche Messaging, unterschiedliche Landingpages, unterschiedliche Conversion-Pfade und unterschiedliche Vertriebsprozesse. Im Ads-Bereich muss der Algorithmus für jedes Segment separat kalibriert werden.

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